Von der Idee zum Produkt mit dem Lean-Canvas am Beispiel von PrioPad

Profilfoto von Martin Brüggemann Martin Brüggemann, 10/12/2020

Es gibt viele gute Ideen. Doch wie kommt man optimal von der Idee zum Business Model und Produkt? Am Beispiel meines neuen Startups PrioPad zeige ich dir, wie man das Lean Canvas nutzt, um möglichst früh, möglichst gutes Feedback zu bekommen und nicht in die falsche Richtung zu entwickeln.

Viele Unternehmer und Startup-Gründer*innen unterschätzen wie ineffizient und teuer es ist, Produkte und Features zu bauen, die am Ende am Kunden vorbei entwickelt wurden und sich auf einmal herausstellt, dass das Geschäftsmodell nicht wie geplant funktioniert. Zu diesem späten Zeitpunkt ist dann schon unnötig viel Aufwand und oft viel Geld in die Umsetzung einer Produktidee geflossen und alle Beteiligten sind dementsprechend demotiviert. Deshalb habe ich mich in den letzten Jahren viel damit beschäftigt, wie man möglichst früh herausfindet, ob eine digitale Geschäftsidee wirklich funktioniert – also noch bevor man überhaupt einen Prototypen fertig gebaut oder auch nur eine Zeile Code geschrieben hat. Das Gute: Es gibt dafür eine smarte Lösung und sie ist gar nicht so kompliziert 😀

Das Lean Canvas als Grundgerüst

Erstmals in seinem Buch „Running Lean“ aus dem Jahr 2010, beschreibt Autor und Digitalunternehmer Ash Maurya sein „Lean Canvas“ – ein Template, um eine Geschäftsidee auf einer DIN A4 Seite mit allen wichtigen Bereichen vom Problem, über die Lösung, UVP (Unique Value Proposition – also das, was das eigene Produkt im Vergleich zur Konkurrenz einmalig macht), bis hin zur Vermarktung, Alternativen und Kosten-/Einnahmenplanung kompakt zu definieren. Ich möchte hier nicht zu sehr auf die Details des Lean Canvas Konzepts eingehen, aber dafür einfach mal zeigen, wie ich das Lean Canvas für mein Startup „PrioPad“ anwende, dass ihr euch evtl. noch ein paar Ideen für die Praxis abschauen könnt.

Ein Lean Canvas für die eigene Geschäftsidee erstellen

Für mein Startup PrioPad habe ich mir einige Lean-Canvas-Blanko-Vorlagen ausgedruckt und zunächst händisch mit einem Stift die ersten Versionen gebaut. Das hat den Vorteil, dass man sich analog nicht zu leicht ablenken lässt. Auf Dauer kann ich jedoch jedem nur das Lean-Canvas-Template des Kollaborations-Tool Miro empfehlen. Hier kann man auch mit mehreren Leuten gleichzeitig an einem Lean Canvas arbeiten und sogar in der kostenlosen Version das Lean Canvas als PDF exportieren. Ich selbst nutze Miro z.B. auch, um in Feedbacksessions direkt den aktuellesten Stand meines LeanCanvas per Zoom zu sharen und im Gespräch einzelne Teile des Lean Canvas zu markieren, dass der Gesprächspartner direkt weiß, wo ich gerade bin.

Feedbackgespräche mit potentiellen Kunden führen

Nachdem man für seine Geschäftsidee ein erstes Lean Canvas erstellt hat (möglichst kurz und knapp, aber gerade so, dass es die Produktidee und das dahinter stehende Geschäftsmodell gut beschreibt). Geht‘s auch schon los mit der Evaluierung. Genau: Nur mit dem Lean Canvas ausgestattet, sucht man sich aus seinem Netzwerk Menschen aus, die potentielle Nutzer des zukünftigen Produkts sein könnten und nach einem bestimmten Muster Fragen beantworten. Für PrioPad interessieren mich zum Start vor allem drei Fragen:

  1. Verstehst du das Problem und die Lösung?

  2. Hast du das Problem (den Schmerz) auch und meinst du die Lösung könnte funktionieren?

  3. Würdest du 5 EUR/Monat für das Produkt bezahlen?

Zuhören und gewissenhaft dokumentieren

Auch wenn es banal klingt. Ich hatte am Anfang so meine Schwierigkeiten während der Feedback-Gespräche nicht zu sehr in meinem Interview-Script festzuhängen und das umfangreiche Feedback meiner Gesprächspartner gewissenhaft zu dokumentieren. Es empfiehlt sich deshalb die ersten Interviews zunächst mit einem Bekannten oder Verwandten zu führen, um eine gewisse Routine zu bekommen. Mach dir auf jeden Fall Notizen: Zettel und Stift dafür sind völlig ausreichend – es geht nur darum, dass du im Nachhinein alle Kernaussagen und prägnante Zitate festgehalten hast. Ich nutze für meine Notizen inzwischen durchgehend mein iPad Pro mit der App Goodnotes und habe dort ein eigenes virtuelles Notizbuch für meine Feedbackgespräche.

Wen nach Feedback fragen?

Wen du ansprichst hängt extrem von deinem geplanten Produkt und deiner Zielgruppe ab. Bei PrioPad ist die Zielgruppe ungewöhnlich breit. Deshalb ist mir wichtig die Bandbreite meiner Gesprächspartner möglichst breit zu halten. Aktuell habe ich von der Studentin, über den Angestellten bis hin zum Agenturgeschäftsführer und Investor eine sehr breite Range zum PrioPad LeanCanvas befragt und jeweils ca. 30-minütigen Sessions extrem gutes Feedback bekommen. Wichtig hierbei: gerade negatives Feedback, geäußerte Bedenken und „das Macht XY doch schon seit 10 Jahren“, sind extrem wichtig, um möglichst konstruktiv voranzukommen. Klingt erstmal komisch, aber wenn alle einfach dein Lean Canvas „feiern“ und keine konstruktiv-kritischen Anmerkungen haben, liegt es meiner Erfahrung nach oft daran, dass die Menschen dir zu nah stehen und du solltest mal versuchen, komplett fremde Leute aus anderen Kontexten anzusprechen - es gibt immer etwas zu verbessern!

Hier mal ein paar Zitate aus meinen ersten Feedback-Sessions, zum PrioPad-LeanCanvas:

Ich verstehe den Schmerz. Hatte damit auch vor ein paar Jahren zu kämpfen

Das mit dem Fremdfeedback find ich super, aber das muss ohne App einfach per E-Mail und Link gehen - meine Freundin installiert sich keine Apps.

Wie willst du jemals den Markt durchdringen? Es gibt hunderte solcher Tools,. Ohne skalierbare Marketing-Kanäle wird‘s schwer!

Ich liebe Sign-Up mit Apple-ID. Wenn ich einen neuen Account anlegen muss, bin ich schon genervt!

Die Idee ist gut, aber ich hab echt keine Lust noch mehr Zeit mit einem weiteren Tool zu verbringen – das muss mega einfach sein.

Die Idee mit der KI ist spannend. Kann ich mir gut vorstellen, dass die App mit genug Daten coole Vorschläge macht – aber bitte nur wenn ich Bock drauf habe

Ich glaube an Routinen. Wenn man die App nicht täglich nutzt, wird die schnell vergessen.

Einfach, spielerische UI schön und gut, aber wie muss ich mir das vorstellen?

Ständige Optimierung und Next Step Klickdummy

Das PrioPad Lean Canvas ist jetzt schon die fünfte Version und mir immer noch nicht kompakt genug 😉. Dennoch habe ich inzwischen ein gutes, "vorvalidiertes" Gefühl für die Richtung des Produkts und Geschäftsmodells und in den letzten Gesprächen gemerkt, dass es Zeit wird, auf dem aktuellen Stand in die nächste Stufe zu gehen: Klickdummy bauen.

Als Unternehmer & Techie habe ich natürlich schon längst angefangen einen Klickdummy mit Figma zu bauen und diesen in den letzten Feedbackgesprächen auch angefangen zu validieren und viele Stellen direkt optimiert. Grundsätzlich ist es aber sinnvoll, nicht zu viele Details auf einmal abzufragen und nur Feedback zum Lean Canvas einzuholen.

Falls du noch Anmerkungen oder Ideen zu PrioPad oder zum Lean Canvas hast, schreib mir gerne eine E-Mail an martin@brgmn.de oder eine Nachricht bei LinkedIn - ich freue mich über jedes konstruktive Feedback!

Hier noch den aktuellen Stand des PrioPad-Lean-Canvas vom 11.10.2020 - wird sicher witzig da in ein paar Monaten nochmal drüber zu schauen, was sich bis dahin alles geändert hat:

2020-10-11-PrioPad-LeanCanvas.pdf

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